14.02.2010 16:44 (2 Jahr(e) alt) RFID - Fluch oder Segen?
von Björn Blaschke

Da ich in naher Zukunft in Projekte involviert werde, in denen ich mich mit C# und RFID-Technik konfrontiert sehe, habe ich mir im Vorfeld bei Ebay ein paar Tags (Funkchips) und ein Short-Range-Lesegerät besorgt, um mich auf die neuen Arbeitsbereiche vorzubereiten. Nachdem ich mich mit der Thematik auseinander gesetzt und ein paar Programme geschrieben hatte, war ich ernsthaft begeistert von der Technik. Vor allem wo sie bereits überall zum Einsatz kommt. In Autos, Essenskarten, Türschlössern, ( Warenwirtschaftssystemen, Büchereien und in weiteren vielfältigen Gebieten unterschiedlichster Art. Mittlerweile denke ich, dass fast jeder von uns schon einmal Kontakt (vermutlich eher unbewusst) mit RFID hatte.

Ein Artikel aus der Weave brachte mich nun zum Nachdenken. Es ging um die Nutzung der RFID Technik und den damit scheinbar verbundenen Gefahren. Doch zunächst erst einmal zur Funktion von RFID, für alle die nicht wissen was das ist. Die Abkürzung RFID steht für Radio Frequency Identifcation. Ein solches System besteht meist aus einem Sende- (Tag) und Empfangsgerät (Reader), an welches eine Software mit einer Datenbank angekoppelt ist. Kommt der Tag nun in die Nähe des Readers, sendet er seine weltweit einmalige Identifikationsnummer, welche dann über den Reader an die Software gesendet wird. Die Software gleicht die ID mit der Datenbank ab und führt eine für exakt diesen Tag gespeicherte Aktion aus.

Dies kann zum Beispiel sein:

  • Öffnen einer Tür
  • Ausweisen als legitimierte Person
  • Buchung eines Betrages
  • Einloggen in ein System
  • Einschalten des Lichtes
  • Starten einer Maschine
  • Oder alle der oben genannten Aktionen im Verbund oder in Abhängigkeit voneinander.
  • Viele weitere…

Somit könnte man sich mit seinem persönlichen Tag überall legitimieren, was auch schon die Idee aufwarf, RFID in den Personalausweis zu integrieren. Kritiker dieses Systems äußern aber lautstark ihre Bedenken. Die damit verbundene, allgegenwärtige Preisgabe der Identität sei der letzte Schritt zum gläsernen Bürger. Meines Erachtens ist das aber reine Panikmache. Auch dem Argument, genaue Kauf und Bewegungsprofile einer Person erstellen zu können, kann ich nicht zustimmen, da hinter der Nummer ja nicht direkt ein Name steht. Und anonyme Benutzer und Käuferanalysen wurden schon und werden immer gemacht. Die Anonymität entfiele erst dann, wenn zu der ID-Analyse, zum Beispiel ein Abgleich mit der Kreditkarte erfolgen würde, was per Gesetz aber bereits verboten ist. Ansonsten ist es rein technisch, nur durch die Preisgabe einer persönlichen Nummer, denn etwas anderes ist es letztendlich nicht, nicht möglich eine Person zu ,,Tracken".

Und wenn man es genau nimmt, geschieht im Internet seit Jahren nichts anderes. Wer immer noch glaubt, er sei anonym im Internet, weil er eine Firewall hat, ist sehr naiv. Nahezu jeder gesetzte Cookie, jede dokumentierte IP-Adresse und jede gespeicherte Eingabe wird zur Analyse, Wiedererkennung und zur Identifizierung eines Users genutzt. Und das auf fast jeder Website. Da dies aber stetig populärer werdende Vorteile mit sich bringt und die meisten Leute aufgrund der dadurch gebotenen Möglichkeiten bereit sind, auf ein bisschen Privatsphäre zu verzichten, diese in vielen Fällen sogar aktiv offenlegen, scheinen sich die Datenschützer auf ein neues Ziel einzuschießen zu müssen, da an ihren bisherigen Prangern das Interesse verloren geht.

In meinen Augen wird sich der Fortschritt auch in dem Bereich der RFID-Technik weiter entfalten und die Leute durch den erbrachten Nutzen so begeistern, dass sie über die vermeintliche, unbegründete und stetig propagierte Gefahr hinwegsehen und die Dienste wohlwollend nutzen werden. Schließlich „googelt“ auch jeder von uns, im vollen Bewusstsein, dass jede noch so demütigende oder kompromittierende Suche genaustens gespeichert wird. Doch man findet was man will und wer nichts zu verbergen hat schert sich auch nicht weiter darum.

Ich denke das ist auch gut so!


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